Ins Gsies wurde vor allem Vieh geschmuggelt, wobei es nur Einzelne gab, die dies professionell machten. Meist wurde es von den Bauern wie seit jeher üblich, einfach über die alten Besitzgrenzen getrieben. Dies war ein lukratives Geschäft für die Villgrater, da es im Gsiesertal viel teurer verkauft werden konnte. Bis Mitte der 60-er Jahre wurde das Vieh geschmuggelt, danach bekamen die Rinder zur Erleichterung der Kontrollen eine Markierung ins Ohr und auch die Viehpreise glichen sich nach und nach an. Somit wurde der illegale Transport über die Grenze aufgegeben.
Vor allem nach dem 1. Weltkrieg, als Südtirol zu Italien kam, wurden Lebensmittel geschmuggelt. Eine beliebte Ware in Gsies war Zucker (Würfelzucker, Staubzucker), Saccharin und Kaffee, welche in Österreich um einiges billiger zu haben waren. Zu dieser Zeit wurden auch Tabak und Zigaretten (Kautabak, Pfeifentabak "Landtabak", Zigaretten "Austria 3", Memphis) sowie Zündsteine und Feuerzeuge erfolgreich hinübertransportiert. Petroleum wurde in 25l Kannen gefüllt, auf eine Tragevorrichtung ("Kraxe") geschnallt und so über die Grenze gebracht. Mit diesem Vorrat kam man 1 Jahr aus.
Weiters schmuggelte man Schaf- und Ziegenfelle und auch der Verkauf einer Rindshaut nach Italien war für die Villgrater lohnenswert, er brachte gleich viel Geld wie eine lebende Kuh in Villgraten.
TRADITION UND BRAUCHTUM
Die Themen:
Die Gsieser Drechsler - Heilkräuter - Unwetter - Kirchtag - Butter und Käse
Kirchtag wird vor allem am Tag des Schutzpatrons der jeweiligen Kirche im Ort gefeiert, oftmals findet auch nach dem Almabtrieb ein zweiter Feiertag dieser Art statt. Zu diesem Fest machte sich früher auch die Bevölkerung aus der umliegenden Talschaft auf. "Kemp la" (kommt nur) lautete z.B. die Aufforderung der Gsieser an die Villgrater zum "Kirschta" zu kommen. Besuch und Gegenbesuch zu diesen besonderen Feiertagen trugen zur Pflege einer guten Nachbarschaft bei.
An den Kirchtagen, die nach dem Almabtrieb im Oktober gefeiert wurden, gab es bei den Bauern ein festliches Essen, zu dem Verwandte und Bekannte eingeladen wurden. Speisen, die zu diesem Anlass auf den Tisch kamen, waren beispielsweise Gerstensuppe mit Selchfleisch, geröstete Erdäpfel mit Nieren und Herz, Leberknödel und Rübenkraut, "Wirschtekoch" (gekochte Gerste mit Blut und Fleisch, mit Minze gewürzt). Als Nachspeise gab es "Nigilan" (kleine Germteigkugeln in Schmalz gebacken, oft auch mit Zuckerwasser und Mohn verfeinert) oder "Plattlan" (flache Scheiben aus Germteig, ebenso mit Mohn und Zuckerwasser). Anschließend wurde mit Musik und Tanz weitergefeiert.
Am Kirchtag des Schutzpatrons wurde weniger ausgelassen gefeiert. Nach der Heiligen Messe fand eine Prozession statt. Zu diesem festlichen Anlass wurde von den Frauen das "pairische Gewand" getragen. Alpenverein Sillian
BEWIRTSCHAFTUNG EINST UND HEUTE
Die Themen:
Almen - Bergmahd - Heuziehen - Vieh,
Sennerinnen und Hirten !
Sennerinnen und Hirten:
Auf der Alm hatten meist die Frauen die Aufsicht. Um ihre Arbeit kurz zu beschreiben, soll hier der Tagesablauf der Sennerinen in Gsies erwähnt werde: Täglich nach dem Melken und der restlichen Stallarbeit gingen sie von der Alm herunter zum Hof, um dort bei der Feldarbeit zu helfen. Erst am späten Nachmittag machten sie sich wieder auf den Weg hinauf - die Wegzeiten lagen zwischen ein und eineinhalb Stunden. Dann wurden die Kühe gemolken, die anfallende Milch wurde bis spätabends zu Butter, Käse und anderen Milchprodukten verarbeitet. Morgens und Abends musste zudem für den Hirten gekocht werden. Übernachtet haben die Sennerinnen immer auf der Alm.
In Villgraten gingen die "Almleit" (Almleute) während des Sommers nur selten ins Tal - bei einem plötzlichen Schlechtwettereinbruch halfen sie aber bei der Heuarbeit am Hof mit. Sie hatten auf der Alm vollauf zu tun. Eine ihrer beschwerlichen Aufgaben war das sog. "Miate"- schneiden. Dabei wurde das Gras an den für das Vieh unzugänglichen Stellen mit einer Sichel geschnitten und frisch verfüttert.
Die Hirten hatten einst die Aufgabe, das Vieh in den Sommermonaten den ganzen Tag zu beaufsichtigen. Hauptsächlich wurden Rinder gehütet, Schafe und Ziegen gingen meist ihre eigenen Wege. In Gsies verrichteten diese Arbeit Buben, in Villgraten meist Männer.