Die Einheimischen sagen ’s Sinkerseabl. Der erste Teil des zusammengesetzten Wortes stammt vom alten deutschen Begriff sinkan, 9. Jh., „versinken (im Wasser)“. In Tiroler Mundarten bedeutet sink oder singch „Geländesenke“, senke „Einsenkung des Bodens, in der sich Wasser sammelt“. Und immer gab es Neues zu entdecken: Im feuchten Moorwald sind verschiedene Moose zu bewundern, zwischen denen Schwarz- und Preiselbeeren und der stachelige Wacholder wachsen, was zum See gehört“). Im Blockwald über Geröll und Steinblöcken gedeihen in den Klüften besonders viele Moosarten. Hier passt ihnen das Klima (Schatten, Zugluft, Luftfeuchtigkeit).
Im Übrigen: ’s Seabl soll früher größer gewesen sein. Der kleine Seespiegel reicht aber weit hinein unter die Ansammlung von Felsblöcken und grobem Schutt in Richtung Unterstaller (entstanden durch die Verwitterung der Felspartien oberhalb des Sinkerseabl - wenn Wasser in eine Kluft gelangt und gefriert, sprengt das Eis den Fels; es hat um 9 % mehr Volumen als Wasser). Im Sommer sind von der Seite her nur kleine Rinnsale zu sehen, die plötzlich versiegen und nach Regen wieder erscheinen. In sehr regenarmen Sommern trocknet ’s Seabl aus. Wie stark bei normaler Witterung aber die unterirdischen Quellen sind, macht der Abfluß „des kleinen Sees“ in den großen Talbach deutlich.
Die Behörde verlangte bei der Erklärung zum Naturdenkmal, das Areal um ’s Sinkerseabl einzuzäunen. Das führte zur Idee von Oswald Fürhapter, verschiedene alte Holzzäune herzuzeigen und zu erklären. Alois Gietl vulgo Mesna stellte sie nach alter Übung auf.
Gezäunt - daran hat sich bis heute nicht viel geändert - wurde dort, wo Wald und Weide an Fluren grenzen, um das Weidevieh von den Äckern und Wiesen fernzuhalten. „Gefällszäune“ sichern Vieh vor gefährlichen Stellen. Grenzzäune schließen die Almen gegen benachbarte Weiden oder Bergwiesen ab; diese Zäune waren oft von beträchtlicher Länge.
Schwartenzaun, Ragglzaun; Flechtzaun, Steckenzaun, Luckenzaun: Auf sehr vielfältiger Weise wussten die alten ihre Felder zu umgürten. Beispiele davon sind am sogenannten Naturdenkmal „Sinkersee“ im Villgrater Arntal zu sehen. Das stille Gewässer nahe dem Wanderweg Nr.2 zur Unter-und Oberstalleralm ist vom Land Tirol im Jahre 2004 zum Naturdenkmal erklärt worden. Die Vielfalt der naturkundlichen Besonderheiten, die hier auf kleinem Raum vorhanden sind, haben einige Fachleute im positiven Sinne überrascht.
Daran hat sich bis heute nicht viel geändert
Grenzzäune schließen die Almen gegen benachbarte Weiden oder Bergwiesen ab
Schwartenzaun:
Schwarte (Schwartling) ist das erste oder letzte vom Stamm gesägte Brett mit Rinde. Diese rindigen Außenbretter waren wenig wert, aber gegen Verwitterung beständig. Auf den senkrecht gestellten, oben zugespitzten Brettern rinnt der Regen „schön“ ab.
Stangenzaun („Ranggenzaun“):
Waagrechte Holzstangen werden von schräg in den Boden geschlagenen Ästen, Stecken oder Spelten (Spaltstücke aus Stangen) kreuzweise verschränkt gehalten.
Stangenzaun:
Waagrechte Holzstangen sind mit Weidenringen zusammengehalten. Sie liegen zwischen senkrechten Säulen, die mit Holznägeln verbunden sind. Der geflochtene Zaunring von Weiden heißt in der Mundart (von der uralten Wurzel „drehen, biegen“, „Weide“, benannt nach den biegsamen Ruten - „Ringe“ wurden auch aus Birkenzweigen oder dünnen Fichtenästen gedreht).
Schrankzaun:
Er ist der am häufigsten aufgestellte Zaun. Zwischen eigenem Feld und Wald ist er der billigste, weil das Material ja nichts kostet - es ist leicht herzunehmen. Der Bauer braucht keine Nägel und keinen Bohrer.
„Lucken“-Zaun:
Die waagrechten Stangen können aus den Löchern der Säulen beliebig herausgenommen und wieder hineingesteckt werden, um z. B. Weidevieh durch die Öffnung zu treiben.