In fast allen Kulturen der Welt, auch in unseren Breitengraden galt der Hanf jahrhundertelang als wichtige Nutzpflanze.
Gegenüber Holz hat Hanf enorme Vorteile: Auf 0,4 Hektar wächst gleich viel Hanf wie Holz auf 1.66 Hektar. Hanf ist viel flexibler, weil er nur 100 Tage und nicht 20 Jahre Wachstumszeit benötigt. Hanf ist für die biologische Landwirtschaft interessant, weil er keinen Düngeeinsatz benötigt, den Boden von Schwermetallen reinigt, als Vorfrucht von Weizen 10-20 % mehr Weizenertrag erzielt und durch seine hohe Selbstverträglichkeit in der Fruchtfolge äußerst unkompliziert im Anbau ist.
Erdöl und Atomenergie werden sicher nicht die Energien der Zukunft sein. Man wird sich sicher näher mit alternativen Energieformen beschäftigen, wie Sonne, Wasser, Wind und auch mit nachwachsenden Rohstoffen! Nachwachsende Rohstoffe wie Holz, Kornhalme, Hanf werden durch thermische Zersetzung/Pyrolyse in Methanol umgewandelt. Mobil Oil entwickelte ein Verfahren, das Methanol sogar in bleifreies Benzin von hoher Oktanzahl umwandeln kann.
Nachwachsende Rohstoffe können die herkömmlichen fossilen Brennstoffe ersetzen und im Wachstumsprozess gleichzeitig Sauerstoff an die Umwelt abgeben. Bei Verrottung oder mit der Nutzung durch Verbrennung geben Pflanzen das CO2 wieder ab, das beim Wachstum von ihnen absorbiert wird. Durch die Verbrennung von fossilen Brennstoffen wie Erdöl oder das fälschlicherweise als umweltfreundlich gepriesenes Erdgas hingegen entsteht nur eine ständige Belastung der Umwelt.
Hanf als Zellstofflieferant
Weltweit werden 93 Prozent des erzeugten Papiers aus Holzpulpe hergestellt. Im Jahr 1988 wurden dafür Bäume mit einem Gewicht von 225 Millionen Tonnen gefällt. Nordamerika hat seit der Hanfprohibition in den 30er Jahren 70 Prozent seiner Wälder abgeholzt. Mittlerweile werden auch zur Gewinnung von Papierrohstoff zunehmend tropische Regenwälder angegangen, trotz der zentralen Rolle, die diese Wälder für das Weltklima spielen. Auf der gleichen Fläche kann viermal mehr Zellstoff aus Hanf als aus Holz gewonnen werden. Zudem brauchen die heftig reagierenden Chemikalien auf Schwefelbasis erst gar nicht hergestellt zu werden, die man benötigt, um den organischen Leim, das Lignin, in der Holzpulpe aufzubrechen. Hanf enthält nur einen Bruchteil des Lignins von Holz und kann mit einem umweltfreundlichen Sodaprozess aufbereitet werden. Um die Hanfpulpe zu bleichen, reicht das ungiftige Wasserstoffperoxyd, während für Holzpulpe Chlorbleichmittel eingesetzt werden.
Hanf in der Medizin
Zwischen 1842 und dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gehörten ein besonderes starkes Cannabisextrakt, Haschischextrakte, Tinkturen und Elixiere zu denjenigen Arzneimitteln, die in der Humanmedizin der USA am zweit- und dritthäufigsten eingenommen wurden. In der Veterinärmedizin war die Verwendung dieser Arzneimittel über die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinaus üblich. Bis heute ist kein einziger Todesfall aufgrund irgendwelcher Hanfpräparate bekannt und es wurde mehrfach wissenschaftlich nachgewiesen, dass Hanf keine körperliche Abhängigkeit verursacht. Der Verwaltungsrichter Judge Francis Young von der nationalen Drogenbehörde in den USA, der Drug Enforcement Administration (DEA) stellte 1988 fest: "... in seiner natürlichen Form ist Marihuana eine der sichersten bekannten therapeutisch wirksamen Substanzen." Nach dem politisch und wirtschaftlich begründeten Verbot der Hanfpflanze darf heute Hanf in den US-Bundesstaaten Maine, Alaska, Arizona, Kalifornien, Oregon und Washington wieder als Medikament verwendet werden. Die Cannabis-Forschung des 20. Jahrhunderts hat den therapeutischen Wert - und das Ausbleiben schädlicher Nebenwirkungen - der Behandlung vieler gesundheitlicher Probleme mit Cannabis aufgezeigt: MS, Asthma, grüner Star, Übelkeit, Tumore, Epilepsie, Stress, Magersucht, Depressionen, Rheumatismus, Arthritis und möglicherweise auch Herpes.