Der Wienerwald bleibt immer grün, wenn Menschen sich um ihn bemühn.
"Der Wald von Gainfarn"
Ludwig August Frankl
Bad Vöslau hat durch Ludwig August Frankl die bisher möglicherweise schönsten Verse empfangen, die auf die Geschichte dieser Stadt je gesungen wurden: die großartige poetische Erzählung "Der Wald von Gainfarn" - zufolge der Aufnahme in die berühmte Anthologie "Der tausendjährige Rosenstrauch" von Felix Braun 1949 besonders geadelt:
Ist das ein Schreien und ein Rufen
von Fuhrwerk: weiße Ochsen vor,
zieht´s schwerbeladen Felsenstufen
zu einem kahlen Berg empor.
In Lederhosen, dunklen Jacken,
mit blauem Vortuch, grünem Latz
gehn Bauern, unter Peitschenknacken,
langsam hinauf zum öden Platz.
Der Regen hat, der Stürme Toben
Das Erdreich mälig weggefegt:
jetzt führen neues sie nach oben.
Was wohl das Volk dazu bewegt?
Die Ältesten im Dorf berichten,
in ihrer Jugend hörten sie´s:
Vor Zeiten stand ein Wald von Fichten
frisch wipfelnd, wo jetzt harter Kies.
Als hier gehaust die Türkenhorden,
da haben sie den Wald verbrannt,
der später abgestockt geworden
von der verarmten Dörfler Hand.
Nicht lang her ist´s, da sprach ein Bauer:
"Laßt wieder pflanzen uns den Wald,
ein Denkmal ist er uns von Dauer,
einsinkt das Kreuz am Friedhof bald."
Der Alte sprach´s zu guter Stunde
im Krug beim jungen roten Wein,
und alle, wie aus einem Munde,
sie sagten drauf: "So soll es sein!"
Sie führen, ohne nur zu rasten,
bei Frühlingsschein und Lerchenschlag
von schwarzer Erde tausend
hinauf zum Berge, Tag um Tag.
Und der zum Bau gemahnt beim Kruge,
der Alte zieht die Furchen dann,
in sich vergnügt, mit einem Pfluge,
voran ein Ochsen-Viergespann.
Und endlich lohnt das Werk die Mühe:
da ziehn die Dörfler allesamt
in Sonntagsstaat bei Morgenfrühe
hinan, als ging´s zum heil´gen Amt.
Es gehen die ältesten der Greise
Den Bergesrücken langsam ab,
aus blauem Vortuch in die Gleise
Waldsamen streuen sie hinab:
die jungen Burschen treiben Rinder
mit scharfen Eggen hinterdrein,
nach ihnen glätten lust´ge Kinder
mit Rechen noch die Furchen rein.
Und da die Arbeit nun zu Ende,
tritt auf des Berges höchsten Grat
ein Mann und hebt empor die Hände:
"Laßt jetzt uns beten für die Saat!"
Die Dörfler alle knieen nieder,
und der als Richter treu sie führt,
barhaupt, erhebt die Stimme wieder
und spricht zur Erde, tief gerührt:
"So sei mit frommen Segensspruche
dir anvertraut, was wir gesät;
wir werden ruhn im Leichentuche,
bis hier ein Wald mit Wipfeln weht.
Laß weilen, Herr! In seinem Schatten
ein starkes friedliches Geschlecht;
auf Rebenhügeln, bluh´nden Matten
soll dann kein Herr sein und kein Knecht.
Laß Fische in den kalten Bächen
das edle Wild im Wald gedeihn,
die goldne Ernte in den Flächen
und auf den Höhn den roten Wein.
Gib Vieh dem Stall und Flachs dem Rocken,
der Jugend frohen Sinn und Scherz
und tönen zum Gebet die Glocken,
laß fromm bewegt sein auch ihr Herz.
Und wenn wir auferstehen sollen
und des Gerichts Posaune schalt,
weck, Herr, uns nicht mit Donnergrollen,
laß rauschen, brausen diesen Wald!"
Jetzt schweigend steht er auf dem Steine,
das greise Haupt im Sonnenstrahl;
Und "Amen" betet die Gemeinde,
und "Amen" hallt´s durch Berg und Tal.