Ein königlicher Verschwender bist du. Deiner Geliebten, der Sonne,
gibst du in brennenden Farben zurück, was sie an Sommerglut der
Erde geschenkt hat. Nichts ist dir zu gering, um es mit dem Glanz
deiner Liebe zu überschütten.
Auf die ödesten Mauern zaubert dein Blick jauchzende Melodien
von Gelb und Rot. Aus dem Boden lockst du der Sonnenblumen
tropische Pracht hervor und lehrst sie, ihr Strahlenangesicht
deiner Geliebten anbetend zuzukehren. Unter deinem Hauch
reifen die Früchte, und schwer von Segen neigen sich die Äste vor dir.
Von entblätterten Blüten trägt dein Atem zarte Samenfäden über die
Wiesen und schüttelt von den alten Eichen die Hoffnung kommender
Jahre. Wie der Herbstwind am Morgen die Nebel zerstreut, so fliehen
die Sorgen vor dem Sturm deiner Seligkeit.
(Lily Braun)
Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.
(Eduard Mörike)
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.
(Friedrich Hebbel)