Das Ötztal gehört zum tirolisch-südbairischen Dialektgebiet, gilt aber auf Grund seiner relativ langen Konservierung durch die verkehrsmäßige und geografische Abgeschiedenheit als eine der ältesten Sprachformen des Südbairischen. Das äußere Ötztal steht dabei noch unter dem Einfluss des Oberinntals, das innere unter dem des Passeier- und Schnalstals in Südtirol, während im mittleren Ötztal die sprachlichen Eigenheiten am ursprünglichsten konserviert sind, etwa der Vokal- und Silbenreichtum des Früh-Mittelhochdeutschen.
Österreichische-UNESCO-Kommission nuis ausn Ötztal
Eppan wöll krooflen di Ommezzn, fliegn di Weschpezzn ummedumm, hupfn di Gammezzn (krabbeln die Ameisen, fliegen die Wespen, hüpfen die Gämsen) und gehen wir olle genondr iibr di Meeneprugga alle miteinander über die Brücke auf den Stadel, vergessen nicht aufs Melken und Kassieren, genießen zu hohen Festtagen insre Kropfn, is Oongsaanate, is Nüischmolz, gehen wöltan öfte ge Kirchen, knieln in an Koppelan und keemen – eppan wöll? – gaaling in Himml auhn, soogn vrgalzgött und danken der Unesco mitsamt der Maria Walcher.
Und jetzt sind wir dabei, die vom großen Dialektforscher Eberhard Kranzmayer erstellte größte wissenschaftliche Arbeit über den Dialekt einer Region und Talschaft, also über das Ötztalerische, 630 Seiten dick, in nächster Zeit zugänglich zu machen. Die vergleichsweise auch so alten Mundarten bzw. Sprachen in den sieben und dreizehn Gemeinden der italienischen Provinzen Vicenca und Verona sind inzwischen verklungen.
Wir im Ötztal haben jetzt den ältesten bairischen Dialekt, die „älteste Sprache“ Österreichs. Doss ischt eppas, söö, und das alles wird fein säuberlich neben und mit den vielen Stunden Dialekt-Tonaufnahmen durch das Ötztal-Archiv im „Gedächtnisspeicher“ in Längenfeld-Lehn archiviert, dokumentiert und weitergepflegt, für Kinder und Kindeskinder und olm asö weitar.
Dr. Hans Haid 6430 Sölden